Ich bin 1950 geboren und gehöre zu einer Generation, die nicht mit digitalen Medien aufgewachsen ist.
Früh – ich glaube mit 12 Jahren – habe ich angefangen zu fotografieren und mit 15 habe ich meinen ersten Trickfilm gedreht.
Ebenfalls mit 15 Jahren habe ich auf der Reiseschreibmaschine meiner Mutter das 10-Finger-Schreiben gelernt mit einem Buch, das so ähnlich funktioniert wie heutige Lernprogramme dafür.
Für meinen Vater haben wir – meine Mutter und ich – Drehbücher in das Niederdeutsche übertragen oder umgekehrt. Das alles mit besagter Reiseschreibmaschine, vervielfältigt durch Matrizen für die Schauspieler der damaligen August-Hinrichs-Bühne. Meine Kindheit war sehr behütet und abgeschieden von der Welt.
Dadurch hatte ich Zeit für meine Hobbys: Handarbeiten, Basteln und Schreiben. Schon mit etwa 10 Jahren habe ich ein Theaterstück für mein Kasperle-Theater geschrieben, was leider nicht erhalten geblieben ist. Mit ca. 11 Jahren bekam ich meinen ersten Fotoapparat, mit dem ich festhielt, was ich erlebte. Mit 14 Jahren erteilte ich meinen ersten Puppen-Trickfilm.
Als ich 15 Jahre alt war, kaufte mein Vater eine Nähmaschine für meine Mutter – dazu gab es einen Nähkurs. Den habe ich dann gemacht und fortan Kleidungsstücke und vieles andere genäht.
Der Schock
Dieses harmonische Familienleben endete jäh mit dem frühen Tod meines Vaters, der am 18. September 1967 seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte und am 7. Dezember des gleichen Jahres starb. Da war ich 17.
Erwartungsgemäß verfiel ich in eine Depression, aus der mich niemand herausholen konnte – schon gar nicht meine Mutter, die ebenfalls depressiv dem Alkohol verfiel. Wir fanden keinen Weg zueinander, was ich heute sehr bedauere, denn ich zog mich vollkommen in ein Schneckenhaus zurück.
Schon eineinhalb Jahre später starb auch meine Mutter an Herzversagen. Da war ich 19.
Ende der Kindheit
Mit diesem Ereignis verband sich aber viel mehr: jetzt war ich nicht nur Vollwaise, sondern auch Vertriebene. Das Elternhaus musste ich verlassen und lebte schließlich bei einer Familie, mit der meine Eltern einmal befreundet gewesen waren. Das Problem war nur, dass hier große innenfamiliäre Problem vorhanden waren, die nicht gerade dazu beigetragen haben, mich dort herzlich aufzunehmen.
Zu dieser Zeit war es so, dass man erst mit 21 Jahren volljährig war. Somit lebte ich mit einem Vormund, nämlich dem Leiter des Jugendamtes der Stadt Oldenburg, den ich aber nur zweimal zu Gesicht bekam. Meine Gastmutter übernahm die Verantwortung für einen Antrag beim Amtsgericht auf vorzeitige Volljährigkeit für mich und so wurde ich schon mit 19 für volljährig erklärt.
Mein Blick richtete sich jetzt auf meinen Schulabschluss, nämlich das Abitur. Die Cäcilienschule wird mich nicht in guter Erinnerung behalten habe, denn ich habe eigentlich gemacht, was ich wollte. Außerdem fehlte mir mein Vater, der mir in Mathematik immer alles erklärt hatte, was die Lehrer damals nicht erklären konnten. Es fiel mir schwer, in Mathe bekam ich im Abitur die Note Mangelhaft, aber ich habe es geschafft.
Studium in Hannover
Zwischen 1970 und 1075 studierte ich in Hannover Germanistik, Geografie und später Politik für das höhere Lehramt. Das Studium war geprägt durch den 68er Protest und so war die Ausbildung damals nicht sehr gehaltvoll, verglichen mit alten Normen. Dafür beschäftigten wir und mit modernen Formen der Literatur, was zuvor niemals möglich gewesen war. In Geografie besuchte ich eine Vorlesung von Prof. Richter (Richterskala für Vulkanausbrüche und Erdbeben), leider eine der letzten regulären Vorlesungen der damaligen Jahre.
Aber auch das war geschafft – trotz einiger Widrigkeiten schloss ich das Studium erfolgreich ab. Dazu muss man sagen, dass „Hauptsache bestanden“ damals die Devise war.
Zurück nach Oldenburg
Nach dem Studium ergatterte ich eine der heißbegehrten Referendarsstellen in Oldenburg. Und nach erfolgreicher Referendarszeit erhielt ich eine Stelle an einem gerade gegründeten Gymnasium in Oldenburg, dem Gymnasium Kreyenbrück.
Hier wurde ich zum ersten Mal nach meinen schwerwiegenden Verlusten zum ersten Mal wieder glücklich. Aber dazu weiter an anderer Stelle.
